Hologrammaufnahmen - einfach gemacht


Die Herstellung von Hologrammen gilt als schwierig. Bei einer Hologrammaufnahme wird das Interferenzmuster aufgezeichnet, das beim Zusammentreffen einer Gegenstandswelle und einer Referenzwelle entsteht. Daher darf sich dieses Muster während der Aufnahme nicht verändern. Bei Schulversuchen dauern Hologrammaufnahmen mehrere Sekunden. Während dieser Zeit sollte der Gangunterschied zwischen Referenz- und Gegenstandswelle auf 1/10000 mm konstant bleiben. Je nach Aufnahmetechnik ist es unterschiedlich schwierig diese Voraussetzung zu erfüllen.

Hier soll eine Aufnahmeanordnung beschrieben werden, die bei minimalen apparativen Voraussetzungen auch unter den schwierigsten Bedingungen zufriedenstellende Ergebnisse liefert. Als Lichtquelle wird bei der Aufnahme ein preiswerter Diodenlaser benutzt. Teuer ist allerdings das für Hologramme benötigte Fotomaterial, da es nur in großen Packungen gekauft werden kann.


Grundlagen
Der klassische Aufbau zur Aufnahme von Hologrammen entspricht einer Interferometeranordnung. Durch einen Strahlteiler wird das von einem Laser emittierte Licht in zwei Anteile zerlegt. Ein Teil des Lichts erreicht direkt oder nach Umlenkung durch einen Spiegel den holografischen Film - dieser Teil heißt Referenzwelle. Der andere Teil des Lichts beleuchtet den aufzunehmenden Gegenstand und wird von diesem zum Film reflektiert - dieser Teil heißt Gegenstandswelle. Referenz- und Gegenstandswelle bilden ein Interferenzmuster, das auf dem Film aufgezeichnet wird.

Vereinfachte Skizze eines Aufbaus zur Hologrammaufnahme. Der für die Stabilität kritische Bereich beginnt beim Strahlteiler. In der Praxis enthält der Strahlengang noch Spiegel zum Abgleich der optischen Weglänge, die zusätzliche Schwierigkeiten bei der Herstellung der notwendigen Stabilität verursachen können.

Die fotografische Aufnahme des Interferenzmusters kann man als kompliziertes Gitter betrachten, das in der Lage ist, Licht so zu beugen, daß ein Duplikat der Gegenstandswelle entsteht. Daher führen Änderungen des Interferenzmusters während der Aufnahme zum Verschwinden oder zumindest zu einer geringeren Qualität des holografischen Bildes.


Stabilitätsbetrachtungen
Der für die Stabilität kritische Teil der Aufnahmeapparatur beginnt erst beim Strahlteiler. Der Laser und die Aufweitungsoptik müssen nicht stabiler aufgestellt werden als das bei normalen optischen Versuchen der Fall ist. Davon kann man sich überzeugen, wenn man bei einem Interferometeraufbau auf verschiedene Teile der Apparatur klopft. Man bemerkt schnell: Das Interferenzmuster ist unempfindlich gegen Berührungen des Lasers aber empfindlich gegen Berührungen der Spiegel in den Interferometerarmen. Daher ist es überhaupt nicht sinnvoll, den Laser auf der Interferometerplatte aufzustellen. (Professionelle Holografen machen sowas auch nicht, Lehrmittelfirmen aber schon).
Die unmittelbare Folgerung aus diesem Tatbestand ist, daß eine Hologrammaufnahme (zumindest mit Schulmitteln) schwieriger ist, wenn Referenz- und Gegenstandswelle in einem räumlich ausgedehnten Bereich getrennt verlaufen. Wenn dieser Bereich klein ist, ist eine Hologrammaufnahme unproblematischer. Daher ist eine Aufnahmeanordnung für Weißlichthologramme für die Unterrichtpraxis geeigneter als der klassische Aufbau.

Ein Anordung zur Aufnahme von Weißlichthologrammen (vom Denisyuk-Typ). Für die Stabilität ist nur der kleine Bereich kritisch, in dem sich der Film und der aufzunehmende Gegenstand befinden.

Bei diesem Verfahren benötigt man keine Umlenkspiegel und keinen Strahlteiler. Der aufgeweitete Laserstrahl (=Referenzwelle) trifft zunächst auf den aus Stabilitätsgründen zwischen zwei Glasplatten gehalterten Film, der in unbelichtetem Zustand durchsichtig ist. Danach trifft er auf das direkt hinter dem Film aufgestellte Objekt. Das vom Objekt reflektierte Licht (=Gegenstandswelle) fällt dann wieder auf den Film. Offensichtlich trennen sich Referenz- und Gegenstandswelle erst bein Durchgang des Lichts durch den Film und daher ist es hier relativ einfach, die für eine Aufnahme des Interferenzmusters notwendige Stabilität zu erreichen. Bei dieser Aufnahmeanordnung entstehen Reflexionshologramme, Betrachter und Lichtquelle befinden sich also auf derselben Seite des Hologramms. Zur Wiedergabe der holografischen Bilder benötigt man keinen Laser, sondern nur eine einigermaßen punktförmige weiße Lichtquelle, wie etwa einen Halogenspot. Der Film wird schräg zum Strahlverlauf aufgestellt, um bei der Hologrammwiedergabe das holografische Bild ungestört vom direkten Reflex der beleuchtenden Lichtquelle betrachten zu können.


Senkrecht ist besser
Die Probleme mit der Stabilität lassen sich noch weiter reduzieren, wenn man die Aufnahmeanordnung von "unten nach oben" aufbaut. In diesem Fall liegt der Film waagrecht und man legt den abzubildenden Gegenstand einfach auf den Film. Bei Erschütterungen und Verschiebungen bewegen sich Film und Objekt sozusagen "im Takt" in vertikaler Richtung. Dafür sorgt einfach die Schwerkraft. Ein Gangunterschied zwischen Referenz- und Gegenstandswelle kommt durch diese Bewegungen nicht zustande. Voraussetzung ist natürlich, daß der Film gut gehaltert ist, und daß das Objekt auf dem Film stabil aufliegt.
Ich weiß nicht, wer die Idee mit der senkrechten Anordnung als erster hatte. Ich habe sie bei einer Veranstaltung der Uni-GH Duisburg kennengelernt. Dort wurde auch im Rahmen einer Staatsexamensarbeit eine "Holografiekamera" gebaut, die nach diesem Prinzip arbeitete. Diese Kamera enthielt allerdings einen großflächigen Oberflächenspiegel, der nicht einfach zu beschaffen ist.

Wie die Idee mit wenig Aufwand realisiert werden kann, ist im nächsten Foto zu sehen, das eine komplette Apparatur zur Aufnahme kleiner Weißlichthologramme zeigt.

Am linken Bildrand ist ein Stativ zu sehen, das die Halterung der beiden Glasplatten trägt, zwischen denen der Film eingeklemmt ist. Auf den Glasplatten liegen zwei kleine Figuren, die aufgenommen werden sollen. Am rechten Bildrand sieht man die Batterien, die den Diodenlaser mit Strom versorgen und eine Löthalterung (das sind die komischen Dinger mit zwei Krokodilklemmen und einer Lupe, die hier aber abgeschraubt ist). Eine Krokodilklemme hält die Objektivlinse einer kannibalisierten Kamera, die andere einen Büroclip, in den der Diodenlaser eingeklemmt ist. Das Bemerkenswerte ist, daß diese Anordnung auch unter sehr ungünstigen Bedingungen funktioniert

Die Glasplatten mit dem Film, auf denen die aufzunehmenden Objekte liegen, befinden sich in einer Höhe von etwa 50 cm. Sie werden schräg von unten mit dem aufgeweiteten Strahl eines Diodenlasers beleuchtet, der im Bild kaum zu sehen ist. Der Laserstrahl ist in der Einfallsebene polarisiert und fällt unter dem Brewsterwinkel (ca. 57 Grad gegen die Normale) auf die Glasplatten. Bei diesem Winkel vermeidet man, daß das Hologramm Interferenzlinien aufgrund der Reflexion an der Glasplatte enthält. Allerdings ist die Strahlqualität des Diodenlasers nicht besonders hoch, so daß sich diese Vorsorge kaum bemerkbar macht.
Das nächste Foto zeigt die Glasplatten (ca. 6cm x 13cm) mit den daraufliegenden Figuren, einem Magnethund und einer kleinen Porzellankatze.

Links ist ein Büroclip zu sehen, der verhindert, daß die Platten auf dieser Seite auseinanderklaffen und der Film dadurch Spiel erhält

Wichtig ist, die Platten auf beiden Seiten gut zusammenzuklemmen, um den dazwischenliegenden Film so stabil wie möglich zu haltern. Die Figuren müssen gut auf den Platten aufliegen und dürfen bei Erschütterungen nicht schaukeln.
Das letzte Foto zeigt eine Aufnahme des holografischen Bildes.

Na ja, das Hologramm ist nicht toll, aber besser als es auf dem Foto erscheint. Beim Fotografieren und beim Einscannen des Fotos gabs doch Qualitätsverluste.

Die Belichtungszeit betrug ca. 4 Sekunden und das Hologramm wurde mit Dokumol entwickelt und mit Kaliumdichromat-Bleichmittel gebleicht. (Beim Arbeiten mit Fotochemikalien Plastikhandschuhe tragen !)


Was man dazu braucht
Bei den meisten Teilen der Aufnahmeapparatur kann man improvisieren. Natürlich braucht man einen Laser. Bei dem hier beschriebenen Versuch wurde ein Diodenlaser mit 3 mW Leistung verwendet, den ELV (Leer) für 89 DM vertreibt. Allerdings ist beim Kauf eines Diodenlasers Vorsicht angebracht. Nicht alle Typen haben eine für die Holografie ausreichende Kohärenzlänge. Die Vertriebsfirmen haben meist keine Ahnung, ob die von ihnen angebotenen Laser für interferometrische Zwecke geeignet sind. Man sollte beim Kauf also darauf achten, daß man ein Rückgaberecht hat. Natürlich ist ein He-Ne Laser für holografische Zwecke besser geeignet, aber er ist auch teurer. Das eigentliche Problem ist jedoch das Fotomaterial. Bisher war man auf das Holotest 8E75 Material von Agfa angewiesen, und das gibt es nur in Großpackungen die mindestens 300 DM kosten. Nun wird gemeldet, daß AGFA die Produktion des Holotestmaterials Ende Juli 1997 einstellen wird. Über das Internet bietet die Firma HRT als Ersatz für Holotest ihre holografischen BB-Platten an. Im Lauf dieses Jahres soll auch noch Filmmaterial dazukommen. Aus eigener Erfahrung kann ich die Qualität dieses Materials nicht beurteilen. Positiv ist auf jeden Fall, daß im Angebot eine Packung von 20 Platten der Größe 6,4cm x 6,4 cm (2,5'' x 2,5'') ist, die (Anfang 1997 ohne Porto und MWSt) 65 DM kostet. Das ist für den Einstieg wesentlich günstiger als die Preise für die großen Packungen des Holotestmaterials. Genauere Informationen sind unter der im Link angegebenen Internetadresse zu finden.

Wer sich eine ausführliche Übersicht über die weite Welt der Holografie und der Hologramme verschaffen will, sollte dem Webseum of holography einen Besuch abstatten.


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